Klimawandelbegünstigte invasive Pflanzenarten

Klimawandelbegünstigte invasive Pflanzenarten, © Adobe Stock_J. Heller © Adobe Stock_J. Heller
Der Indikator beschreibt die Häufigkeit von klimawandelbegünstigten invasiven Pflanzenarten in Nordrhein-Westfalen. Invasive Arten verändern oder verdrängen heimische Pflanzenarten und stellen somit eine Gefährdung für die biologische Vielfalt Nordrhein-Westfalens dar. Klimawandelbegünstigte invasive Arten sind gebietsfremde Arten, deren Ausbreitungspotenzial unter Klimawandelbedingungen erhöht ist. Der Indikator ist Teil der nordrhein-westfälischen Klimaberichterstattung.

Einheit: Anzahl je 100ha

Stand und Trend

Die Anzahl der klimawandelbegünstigten invasiven Pflanzenarten pro 100 ha hat in NRW sowohl in dem gesamten Betrachtungszeitraum seit dem Jahr 2006 als auch in den letzten 10 Jahren signifikant zugenommen.

Bedeutung

Eine Vielzahl neophytischer Pflanzenarten profitiert von der anthropogenen Klimaveränderung. Darunter die allermeisten der als invasiv geltenden Arten. Invasive Arten verändern oder verdrängen heimische Pflanzenarten und stellen somit eine Gefährdung für die biologische Vielfalt Nordrhein-Westfalens dar.

Klimawandelbegünstigte invasive Arten sind gebietsfremde Arten, deren Ausbreitungspotenzial unter Klimawandelbedingungen erhöht ist und die unter allen prognostizierten Emissionsszenarien mehr Habitate besetzen als unter derzeitigen Umweltbedingungen. Beispiele für bereits in NRW zu findende invasive neophytische Arten sind der Sommerflieder, der Götterbaum, die Mahonie, die Armenische Brombeere und der Japanische Staudenknöterich.

Ziele

Die Ausbreitung von klimawandelbegünstigten invasiven Pflanzenarten ist als Indikator für die Wirkung von Klimafolgen zu betrachten. In NRW sind Beispiele hierfür mehrere Strauch- und Baumarten, die sich vor allem in Städten auf Brachen oder an Böschungen ausbreiten.

Trendanalyse & Aussagen

Der Indikator zeigt im Verlauf seit dem Jahr 2006 eine signifikante Zunahme der Anzahl von klimawandelbegünstigten invasiven Pflanzenarten pro 100 ha um den Wert 1,9. Dies ist gleichbedeutend mit einem Anstieg um 71%. Auch über die letzten zehn Jahre betrachtet (2012-2021) ist ein signifikanter Anstieg zu verzeichnen.

Definition, Datenquellen & Berechnung

Der Indikator wird berechnet als die mittlere Anzahl der klimawandelbegünstigten invasiven Pflanzenarten pro 100 ha in NRW.

Die Berechnungen erfolgen als Hochrechnung von Daten der Ökologischen Flächenstichprobe (ÖFS) NRW. Die ÖFS untersucht auf repräsentativen Stichprobenflächen den Zustand und die Entwicklung von Arten und Lebensräumen Nordrhein-Westfalens. Die Bewertung der Ergebnisse erfolgt anhand statistischer Verfahren, mit denen festgestellt wird, ob es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um tatsächliche Änderungen statt um Schwankungen in der Stichprobe handelt. Auch wenn eine Zeitreihe ansteigt oder abfällt, kann aus statistischer Sicht „kein Trend“ vorliegen, wenn die Zu- oder Abnahmen im Vergleich zum Schwankungsbereich des Trends zu gering ausfallen.

Für den Indikator werden mittels Anwendung statistischer Verfahren zwei Trendaussagen getroffen, die sich hinsichtlich des betrachteten Zeitraumes unterscheiden:

1. Trend über den gesamten Zeitraum seit Beginn der Messungen (2006-2021)

2. Zehn-Jahres-Trend (2012-2021)

Die Trendbewertung und Signifikanzprüfung erfolgt nach der Methode des Umweltbundesamtes für die Indikatoren des Monitoringberichtes zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel (Meyer 2018, Umweltbundesamt 2019a und b). Es handelt sich um eine standardisierte Methodik der Indikatorbewertung.

Identifiziert werden bei der Betrachtung der gesamten Zeitreihe (2006 bis 2021) sowohl steigende und fallende Trends als auch quadratische Trends (zum Teil mit einer Trendumkehr). Folgende Trendaussagen sind dabei möglich:

- Steigender Trend

- Fallender Trend

- Steigender quadratischer Trend

- Fallender quadratischer Trend

- Trend mit Trendumkehr (zuerst fallend, dann steigend)

- Trend mit Trendumkehr (zuerst steigend, dann fallend)

- Kein Trend

Die Ermittlung quadratischer Trends ist aus mathematischen Gründen für einen Zeitraum von zehn Jahren nicht sinnvoll. Daher werden für den Zehn-Jahres-Trend ausschließlich lineare Trends berechnet. Folgende Trendaussagen sind möglich:

- Steigender Trend

- Fallender Trend

- Kein Trend

Die Aussage „kein Trend“ bedeutet, dass aus statistischer Sicht nicht mit hinreichender Wahrscheinlichkeit von einer tatsächlichen Veränderung ausgegangen werden kann. Die Werte des Indikators ändern sich in diesem Fall im Vergleich zum Schwankungsbereich des Trends zu geringfügig.

Literaturangaben:

Meyer, M. (2018): Quantitative Bewertung von Umweltindikatoren. Handbuch zur fachgerechten Bedienung der Anwendung. Hg. v. Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung mbH. Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung mbH. Osnabrück (GWS Discussion Paper Series).

Umweltbundesamt (2019a): Monitoringbericht 2019 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel. Bericht der Interministeriellen Arbeitsgruppe Anpassungsstrategie der Bundesregierung. Umweltbundesamt. Dessau-Roßlau.

Umweltbundesamt (2019b): Quantitative Bewertung von Umweltindikatoren. UBA Texte 37/2019. Umweltbundesamt. Dessau-Roßlau.

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