Indikator 'Klimasensitive Vogelarten'

Um Veränderungen der Biodiversität durch den Klimawandel beobachten und dokumentieren zu können, ist ein systematisches Monitoring, also eine Langzeitbeobachtung, notwendig. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse hinsichtlich der Betroffenheit von klimasensitiven Arten und Lebensräumen stellen für eine zielgerichtete Planung und Umsetzung von Anpassungsmaßnahmen des Naturschutzes an den Klimawandel eine wichtige Grundlage dar. Unter anderem können Maßnahmen der Renaturierung des Wasserhaushaltes von Feuchtgebieten oder gezielte Artenschutzmaßnahmen effektiver an den Erfordernissen des Klimawandels ausgerichtet werden.

Die Ökologische Flächenstichprobe leistet einen Beitrag zum Schwerpunkt „Ökosysteme und Biodiversität“ des Klimafolgenmonitorings NRW. . Dabei ist die Analyse der Effekte von Klimaveränderungen auf die Biodiversität recht anspruchsvoll, da die Intensität der Landnutzung häufig eine nach wie vor dominante Rolle spielt und diese in Teilen nur schwer von Klimaeffekten zu trennen ist. Nach derzeitigem Kenntnisstand wird davon ausgegangen, dass der Klimafaktor einen mehr oder weniger großen zusätzlichen Einfluss auf die Verbreitung (Areal) und die Populationsgrößen beispielsweise von Brutvogelarten haben kann.

Tier- und Pflanzenarten reagieren je nach Sensitivität unterschiedlich auf Veränderungen des Klimas. Brutvogelarten werden durch ihr zum Teil ausgeprägtes Zugverhalten und den damit verbundenen Aufenthaltswechsel sehr unterschiedlich vom Klimawandel beeinflusst. Um den Einfluss von Klimaveränderungen auf Vögel zu untersuchen, entwickelten Devictor et al. im Jahr 2008 den Community Temperature Index (CTI), der Verschiebungen in Artengemeinschaften durch Änderungen der Temperatur widerspiegelt. Er basiert auf so genannten Species-Temperature-Index-(STI)-Werten, die jeweils die mittlere Temperatur eines Verbreitungsgebietes einer Art in Europa wiedergeben.

Der CTI bildet Verschiebungen in Artengemeinschaften durch Änderungen der Temperatur ab. Für den Indikator wird das CTI-Modell auf der Grundlage der landesweit repräsentativen Brutvogeldaten aus der Ökologischen Flächenstichprobe für Nordrhein-Westfalen angewendet. Es wird unterschieden in Arten, die Areale mit relativ hohen durchschnittlichen Temperaturwerten in Nordrhein-Westfalen bevorzugen (über 13 Grad Celsius) und solchen, die in Nordrhein-Westfalen eher in Arealen mit niedrigeren Temperaturen vorkommen (unter elf Grad Celsius).