Indikator Artenvielfalt und Landschaftsqualität

Um den Zustand von Natur und Landschaft in Nordrhein-Westfalen insbesondere unter dem Einfluss von Nutzungen zu erfassen, zu bewerten und in Zeitreihen zu dokumentieren, wurde ein Indikator auf der Basis charakteristischer Brutvogelarten entwickelt. Vögel sind als Indikatorgruppe deshalb gut geeignet, weil sie auf Veränderungen der Landschaftsqualität empfindlich reagieren. Verbessert sich die Lebensraumqualität, so nehmen lebensraumtypische Arten zu; im umgekehrten Fall nehmen die Bestände ab. Es wird davon ausgegangen, dass sich eine Verbesserung der Lebensräume oder Habitate auch auf andere Tier- sowie auf Pflanzenarten positiv auswirkt. Es wurden solche Vogelarten ausgewählt, die auf Veränderungen von Flächennutzungen sensibel reagieren und daher Aussagen zur Nachhaltigkeit dieser Nutzungen zulassen.

Das Kollektiv dieser 56 Vogelarten steht in Nordrhein-Westfalen also stellvertretend für die Bestandsentwicklung vieler anderer Arten in den bedeutenden Hauptlebensraumtypen (Landschaftstypen) Wälder, Agrarland, Siedlungen und Gewässer. Zum einen wird die Qualität von Biotop- und Lebensraumtypen, zum anderen aber auch die Eignung der Normallandschaft ganzheitlich als Lebensraum angezeigt. Daher sind seltene Arten für diesen Indikator nicht geeignet. Steigen oder sinken die Bestandszahlen dieser Indikatorarten, so ist dies in der Regel auf die Veränderung der Qualität der Lebensräume zurückzuführen, im positiven Fall beispielsweise als Folge umgesetzter Agrarumweltmaßnahmen. Der Indikator spiegelt diese Entwicklungen entsprechend wider. Damit übernimmt er eine zentrale Funktion als Naturschutzindikator und dient unter anderem der Erfolgskontrolle der Biodiversitätsstrategie des Landes.

Der Naturschutz verfolgt das Ziel, durch geeignete Programme und Maßnahmen den Trend negativer Bestandsentwicklungen von Arten und ihren Lebensräumen – zum Beispiel aktuell im Bereich des Agrarlandes – zu stoppen beziehungsweise umzukehren. Werden geeignete Maßnahmen in ausreichendem Umfang umgesetzt, ist davon auszugehen, dass der Indikator „Artenvielfalt und Landschaftsqualität“ positiv reagiert.

Artenauswahl

Alle Brutvogelarten Nordrhein-Westfalens wurden unter Berücksichtigung definierter Grundsätze und vorhandener Grundlagendaten auf ihre Eignung als Indikatorart geprüft. Folgende Vogelarten wurden als Indikatorarten ausgewählt:

Teilindikator 'Agrarland' - 14 Brutvogelarten:
Bluthänfling, Feldlerche, Feldsperling, Goldammer, Kiebitz, Neuntöter, Rebhuhn, Schleiereule, Star, Steinkauz, Stieglitz, Turmfalke, Turteltaube, Wiesenpieper

Teilindikator 'Wald' - 19 Brutvogelarten:
Baumpieper, Buntspecht, Gartenbaumläufer, Grauspecht, Hohltaube, Kernbeißer, Kleiber, Kleinspecht, Mittelspecht, Nachtigall, Pirol, Schwarzspecht, Sumpfmeise, Trauerschnäpper, Waldbaumläufer, Waldkauz, Waldlaubsänger, Waldschnepfe, Weidenmeise

Teilindikator 'Siedlung' - 16 Brutvogelarten:
Bachstelze, Dohle, Elster, Feldsperling, Girlitz, Grünfink, Hausrotschwanz, Haussperling, Mauersegler, Mehlschwalbe, Rauchschwalbe, Schleiereule, Star, Stieglitz, Türkentaube, Turmfalke

Teilindikator 'Gewässer' - 12 Brutvogelarten:
Blässhuhn, Eisvogel, Gebirgsstelze, Graugans, Haubentaucher, Reiherente, Rohrammer, Stockente, Teichhuhn, Teichrohrsänger, Wasseramsel, Zwergtaucher

Ermittlung der Zielwerte

Die Ermittlung von Zielwerten erfolgt auf der Grundlage artspezifischer Bestandsgrößen, die in einem festgelegten zukünftigen Jahr (2030) voraussichtlich erreicht werden, wenn alle notwendigen naturschutzfachlichen Maßnahmen in ausreichendem Umfang umgesetzt werden. Anschließend werden die einzelnen artspezifischen Zielwerte pro Teilindikatoren-Artenset zu einem Zielwert zusammengefasst. Analog wird bei der Ermittlung des Gesamtindikators verfahren.

Um den Indikator in Beziehung zu einem Zielwert zu setzen, wurden für die Teilindikatoren Agrarland, Wälder, Siedlung und Gewässer Zielwerte für das Jahr 2030 wie folgt berechnet:

  • Je Vogelart und je ÖFS-Stichprobenfläche wurde das Maximum über die verschiedenen Wiederholungsaufnahmen aus den Jahren 1997 bis 2015 berechnet.
  • Diese stellen die Zielwerte für das Jahr 2030 dar. Bei jeder Indikator-Vogelart wurde dieser Zielwert ins Verhältnis zur Vorkommenshäufigkeit im Jahr 2015 gesetzt. Als Ergebnis ergibt sich für jede Vogelart ein Zielerreichungsgrad in Prozent.
  • Anschließend wird für jeden der vier Teilindikatoren aus allen artspezifischen Einzel-Zielerreichungsgraden das gewichtete Mittel der Erreichungsgrade je Teilindikator gebildet.
  • Zuletzt wird aus den Zielerreichungsgraden der vier Landschaftstypen 'Agrarland', 'Wald', 'Siedlung' und 'Gewässer' entsprechend ihrer Flächenanteile an der Landesfläche der gewichtete NRW-Zielerreichungsgrad, also der Gesamtindikator 'Artenvielfalt und Landschaftsqualität' berechnet.